Ich glaube, fast jeder Papageienbesitzer tut es…
Mal sehen, was auf dem Boden liegt.
Nicht gerade das Thema, mit dem man auf einer Geburtstagsparty ein Gespräch beginnt. Aber sobald man mit Papageien zusammenlebt, wird der Kot plötzlich überraschend interessant.
Denn der Kot deines Papageis kann dir etwas darüber verraten, was er gefressen hat, wie viel Flüssigkeit er zu sich genommen hat und was kurz zuvor passiert ist. Manchmal kann eine Veränderung auch ein Grund sein, den Vogel genauer zu beobachten.
Das bedeutet nicht, dass jeder grüne Kot, jeder zusätzliche Urinfleck oder jede Farbveränderung sofort auf ein Problem hinweist. Zum Glück nicht.
Ein Kot ist keine Diagnose.
Aber wenn du weißt, was für deinen Papagei normal ist, können dir Veränderungen helfen, etwas früher zu bemerken.
Dafür musst du aber erst einmal wissen, worauf du eigentlich achtest.
Ein Vogelkot besteht aus drei Teilen.
Was wir der Einfachheit halber als Vogelkot bezeichnen, besteht bei einem gesunden Vogel normalerweise aus drei erkennbaren Bestandteilen:
- Der Kot: der feste Teil aus dem Verdauungstrakt. Dieser ist oft grün oder braun, aber die Farbe kann sich unter anderem durch die Ernährung ändern.
- Die Urata: der meist weiße bis cremefarbene Teil. Dieser besteht zu einem wichtigen Teil aus Harnsäurekristallen und wird über die Nieren ausgeschieden.
- Der Urin: der klare, flüssige Teil, der sich um den Kot herum befinden kann.
Der weiße Teil und die Flüssigkeit drumherum gehören also einfach dazu.
Drei verschiedene Bestandteile, gemütlich zusammen verpackt in einem Vogelkot. Papageien sind in dieser Hinsicht ziemlich effizient.
Das Aussehen des Kots variiert von Vogel zu Vogel. Ernährung, Art, Größe, Flüssigkeitsaufnahme und die Tageszeit können alle einen Einfluss haben.
Deshalb gibt es kein einzelnes Foto, das zeigt, wie der Kot jedes gesunden Papageis aussehen sollte.
Viel Flüssigkeit bedeutet nicht automatisch Durchfall.
Manchmal schaut man auf das Bodengitter, und es scheint, als ob fast nur Wasser da ist.
Der erste Gedanke ist dann oft…
Hat mein Papagei Durchfall?
Aber viel Flüssigkeit um einen ansonsten geformten Kot ist nicht automatisch Durchfall.
Wenn der feste Teil noch erkennbar und geformt ist, aber mehr klarer Urin darum liegt, spricht man von Polyurie. Dann wird mehr Urin ausgeschieden.
Bei echtem Durchfall ist der feste Teil des Kots schlaff, breiig oder ungeformt.
Dieser Unterschied ist wichtig, da beides auf den ersten Blick ziemlich wässrig aussehen kann.
Was dein Papagei isst, sieht man manchmal wieder.
Nahrung kann Farbe und Menge der Flüssigkeit im Kot vorübergehend verändern.
Beeren sind ein schönes Beispiel dafür. Nach Blaubeeren kann der Kot dunkelblau oder lila werden. Auch rote Früchte, stark gefärbtes Gemüse und farbige Pellets können ihre Spuren hinterlassen.
Feuchtreiche Nahrung kann ebenfalls sichtbar werden.
Hat dein Papagei Apfel, Trauben, Melone oder eine großzügige Portion anderer frischer, feuchtreicher Nahrung gefressen? Dann kann danach vorübergehend mehr Urin um den Kot herum liegen.
Das muss an sich nicht bedeuten, dass etwas nicht in Ordnung ist.
Es sagt vor allem aus, dass man einen Vogelkot niemals isoliert von dem betrachten kann, was zuvor im Futternapf lag.
Und dann passierte etwas Aufregendes…
Nicht nur die Nahrung kann einen Einfluss haben.
Vielleicht kennst du das: Etwas Unerwartetes passiert, dein Papagei ist aufgeregt oder erschrickt, und wenig später liegt ein Kot mit einem kleinen "Schwimmbad" drumherum da.
Anspannung oder Aufregung kann vorübergehend zu mehr Urin führen.
Ein einmaliger auffällig wässriger Kot nach einem aufregenden Moment sagt daher etwas anderes aus als ein Vogel, der stundenlang oder mehrere Tage deutlich mehr Urin ausscheidet.
Der Kontext ist bei der Betrachtung von Kot mindestens genauso wichtig wie Farbe und Form.
Stell dir deshalb immer ein paar Fragen…
- Was hat mein Papagei gefressen?
- Hat er viel getrunken?
- Hat kurz zuvor etwas Aufregendes oder Ungewöhnliches stattgefunden?
- Handelt es sich um einen einzelnen Kot oder sehe ich die Veränderung immer wieder?
- Verhält sich mein Vogel ansonsten wie gewohnt?
Erst wenn man diese Informationen zusammenführt, entsteht ein brauchbares Bild.
Der erste Kot des Morgens
Der erste morgendliche Kot kann ziemlich groß sein.
Manche Papageien halten ihren Kot nachts über längere Zeit zurück. Alles, was normalerweise auf mehrere Kotabgänge verteilt wäre, kommt dann auf einmal heraus.
Auch hormonell oder brütende Weibchen können ihren Kot länger zurückhalten und dadurch größere Kotmengen produzieren.
Wenn du so ein Morgenpaket zum ersten Mal entdeckst, kann das schon beeindruckend sein.
Erstaunlich, was alles in so einen Vogel passt.
Ein großer Morgenkot muss also nicht abweichend sein. Auch hier kommt es wieder darauf an, was für deinen Vogel üblich ist und ob du daneben andere Veränderungen siehst.
Dein eigener Papagei ist das beste Vergleichsmaterial
Dies ist vielleicht der wichtigste Teil der ganzen Geschichte.
Lerne den normalen Kot deines eigenen Papageis kennen.
Nicht, indem du jeden Morgen mit einer Lupe neben dem Käfig sitzt. Da können wir auch übertreiben. Aber schau einfach regelmäßig, bevor du das Papier wechselst.
Achte zum Beispiel auf…
- die übliche Größe
- die Farbe des festen Teils
- die Form und Festigkeit
- die Farbe der Urate
- die Menge des klaren Urins
- Veränderungen nach frischer oder stark gefärbter Nahrung
- Unterschiede zwischen dem Morgen und dem Rest des Tages
Ein sauberer, heller Untergrund macht Veränderungen leichter sichtbar. So lernst du mit der Zeit zu erkennen, welche Variationen zu deinem Vogel passen.
Denn „normal“ ist nicht nur das, was in einem Buch oder auf einem Foto steht.
Normal ist vor allem das Muster, das du bei deinem eigenen Papagei siehst, wenn er gut frisst, aktiv ist und sich so verhält, wie du es von ihm gewohnt bist.
Wann wird eine Veränderung wichtig?
Ein andersfarbiges Häufchen nach einer Schale Beeren ist etwas anderes als eine Veränderung, die ohne ersichtlichen Grund immer wieder auftritt.
Schaue daher lieber auf das Muster als auf einen einzelnen Kot.
Nimm Veränderungen ernster, wenn
- der feste Teil immer weich oder ungeformt bleibt
- längerfristig viel mehr Urin ausgeschieden wird
- die Urate nicht mehr weiß oder cremefarben sind
- unverdaute Futterpartikel sichtbar sind
- du Blut siehst
- der Kot schwarz und teerartig aussieht
- Menge oder Häufigkeit sich deutlich ändern
- die Veränderung ohne erkennbare Erklärung bestehen bleibt
Schaue dabei immer auf den Vogel über dem Kot.
Frisst dein Papagei weniger? Sitzt er aufgeplustert da? Ist er ruhiger oder weniger aktiv? Sitzt er auf dem Boden, erbricht er sich oder verhält er sich deutlich anders?
Dann bekommt eine Veränderung im Kot mehr Bedeutung.
Kot kann einen Hinweis geben, aber er sagt nicht, was die Ursache ist. Verschiedene Ursachen können nämlich ähnlich aussehen. Ein Foto im Internet kann daher niemals die Untersuchung durch einen Tierarzt ersetzen.
Bleibt der Kot etwa einen Tag lang deutlich abweichend, kontaktiere einen Tierarzt. Warte nicht ab, wenn du Blut siehst, der Kot schwarz und teerartig ist, die Veränderung schwerwiegend ist oder dein Papagei selbst krank aussieht.
Im Zweifelsfall kannst du immer früher Rücksprache halten.
Schau morgen mal, bevor du das Papier wechselst
Nicht, weil du von nun an jedes Häufchen ausführlich analysieren musst.
Einfach mal schauen.
Vielleicht siehst du nichts Besonderes.
Vielleicht entdeckst du, dass die Beeren von gestern heute noch ziemlich präsent sind. Vielleicht fällt dir auf, dass der Kot nach viel frischer Nahrung mehr Feuchtigkeit enthält. Oder vielleicht denkst du plötzlich
Huch… das sieht anders aus als normal.
Dann hat der unscheinbare Vogelkot genau das getan, was er tun sollte: dich dazu gebracht, den Vogel zu betrachten, der darüber sitzt.
Denn je länger ich mit Papageien lebe, desto mehr bin ich davon überzeugt, dass eine gute Pflege oft mit etwas ganz Einfachem beginnt…
Achten
Und ja…
Manchmal auch Kot.
Mit freundlichen Grüßen,
Malenthe
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